Die größten Fitness-Mythen entlarvt: Was eine Umfrage 2025 unter 721 Gym-Besuchern gezeigt hat
2 studies · 2025 Sci Rep survey of 721 gym-goers
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Die meisten trainieren im Gym immer noch nach falschen Infos
Heute schauen wir uns mal eine unbequeme Wahrheit an: Eine Umfrage aus 2025 mit 721 Gym-Besuchern in Österreich hat gezeigt, dass die Mehrheit nur 5 von 14 grundlegenden Fakten zum Krafttraining richtig erkannt hat (Unger et al., 2025). Heißt im Klartext: Viele Leute, die regelmäßig trainieren, bauen ihren Plan auf Dinge auf, die so einfach nicht stimmen.
Und nein — das ist kein „Anfänger-Problem“. Das zieht sich durch alle Trainingslevel. Diese Mythen halten sich, weil sie sich logisch anfühlen oder weil irgendeine „Autorität“ sie irgendwann mal wiederholt hat.
Unten kommen die wichtigsten davon — die, die gerade still und leise richtig viele Trainingspläne sabotieren.
Only 5 out of 14 basic resistance-training facts were correctly identified by a majority of gym-goers.
— Unger et al. (2025). Knowledge of gym goers on myths and truths in resistance training. Sci Rep.
Mythos 1: Pump heißt, du baust Muskeln auf
Der Pump — dieses pralle, „aufgepumpte“ Gefühl im Muskel mitten im Satz — fühlt sich nach Fortschritt an. Ist er aber nicht. Er ist kein verlässliches Zeichen dafür, dass du Muskeln aufbaust.
Zellschwellung, also „der Pump“, trägt nicht spürbar zum Muskelaufbau bei. Ein Review aus 2025 im Journal of Sport and Health Science hat sich alle vorgeschlagenen Mechanismen für Muskelwachstum angeschaut — und keine überzeugenden Belege gefunden, dass metabolischer Stress oder Zellschwellung den Prozess antreiben (Van et al., 2025). Das gleiche Review räumt auch mit akuten Hormon-Peaks auf — also dem kurzen Testosteron-Schub nach einem schweren Satz. Für langfristigen Muskelaufbau spielt das kaum eine Rolle.
Was baut dann wirklich Muskeln auf? Mechanische Spannung — also die Kraft, die auf deine Muskelfasern wirkt, wenn sie unter Last arbeiten, besonders in den „harten“ Bereichen der Bewegung (oft Richtung Ende des Bewegungsradius). Einen Pump kannst du auch bekommen, ohne dass da viel sinnvolle Spannung dahintersteckt. Ihn zu jagen lenkt dich eher ab.
Heißt das, Pump-Training ist Quatsch? Nein. Hohe Wiederholungszahlen können trotzdem starke mechanische Spannung erzeugen — wenn du nah ans Muskelversagen gehst. Aber der Pump ist nicht der Grund, warum es wirkt. Er ist nur ein Nebeneffekt.
Cell swelling and metabolic stress are not meaningful contributors to muscle hypertrophy.
— Van et al. (2025). Load-induced human skeletal muscle hypertrophy: Mechanisms, myths, and misconceptions. J Sport Health Sci.
Mythos 2: Muskelkater zeigt dir, dass das Training was gebracht hat
Muskelkater — dieses ziehende, steife Gefühl 24–48 hours nach dem Training — hat keinen zuverlässigen Zusammenhang mit Muskelaufbau. Du kannst ein maximal effektives Training haben und am nächsten Tag gar nichts spüren. Und du kannst komplett zerstört sein und trotzdem kaum produktiv trainiert haben.
Muskelkater hängt vor allem mit Neuheit und Muskelschäden zusammen — also damit, dass du etwas Ungewohntes machst: eine neue Übung, mehr Bewegungsradius als sonst, andere Technik. Das ist etwas anderes als die mechanische Spannung, die das Review aus 2025 als wichtigsten Trainingsreiz für Muskelaufbau nennt (Van et al., 2025). Schäden sind ein Nebenprodukt vom Training — nicht der Mechanismus, der Muskeln wachsen lässt.
Wenn du die Qualität deines Trainings daran misst, wie weh dir alles tut, misst du das Falsche. Miss lieber progressive Überlastung — ob Gewicht oder Wiederholungen über die Zeit steigen. Das ist das, was wirklich zählt. Den kompletten Deep-Dive findest du hier: does soreness mean muscle growth.
Mythos 3: Die Hormone vom Krafttraining machen deine Gains
Kennst du bestimmt: Große Grundübungen pushen Testosteron und Wachstumshormon — und deshalb sollen sie mehr Muskeln bringen als Isolationsübungen.
Der Hormon-Peak nach einem schweren Satz ist real. Aber für Muskelaufbau ist er nicht der Gamechanger.
Van et al. (2025) haben sich diese Behauptung im Review genau vorgenommen. Ergebnis: Systemische Hormonreaktionen — also Testosteron, Wachstumshormon und IGF-1, die nach einer Einheit kurz ansteigen — tragen nicht spürbar zur lastinduzierten Hypertrophie bei (Van et al., 2025). Entscheidend ist, was lokal im Muskel passiert: mechanische Spannung direkt an der Muskelfaser. Nicht, was kurz durch dein Blut schwimmt.
Praktisch ist das wichtig. Es heißt: Es gibt keine Magie in High-Rep/Low-Rest-„Anabolic“-Zirkeln, wenn der eigentliche mechanische Reiz dabei niedriger ist. Und es heißt auch: Isolationsübungen — Curls, Seitheben, Beinstrecker — sind nicht „im Nachteil“, nur weil sie keinen großen Hormon-Peak auslösen.
Systemic hormones — testosterone, growth hormone, IGF-1 — do not meaningfully drive load-induced muscle hypertrophy.
— Van et al. (2025). Load-induced human skeletal muscle hypertrophy: Mechanisms, myths, and misconceptions. J Sport Health Sci.
Mythos 4: Leichtes Gewicht, viele Wiederholungen baut genauso viel Kraft auf wie schweres Training
Hier wird ein echter Fakt oft falsch weitergedreht.
Leichtes Gewicht mit vielen Wiederholungen (so 20–30 Wiederholungen pro Satz, nah am Muskelversagen) kann beim Muskelaufbau ähnlich viel bringen wie schweres Training mit wenigen Wiederholungen. Das stimmt. Aber für maximale Kraft — also das meiste Gewicht, das du 1-mal bewegen kannst — gewinnt schweres Training. Leichte Lasten bilden die Kraft-Anpassungen vom schweren Heben nicht komplett nach.
Das ist übrigens eine der wenigen Aussagen, die viele im Gym richtig einordnen. In der österreichischen Umfrage 2025 war die Aussage, dass Low-Load/High-Volume genauso effektiv für maximale Kraft sei wie High-Load-Training, eine von nur 5 von 14, die die Mehrheit korrekt beantwortet hat — und zwar als Mythos (Unger et al., 2025).
Was heißt das für dich? Wenn dein Ziel Muskelmasse ist, bist du beim Wiederholungsbereich ziemlich flexibel. Wenn du bei einem bestimmten Lift stärker werden willst — Deadlift, Squat, Bankdrücken — musst du regelmäßig mit schwereren Gewichten arbeiten. Beides hat seinen Platz. Keins ersetzt das andere.
Die Daten zu Wiederholungsbereichen aus 4 RCTs findest du hier: how many reps for muscle growth.
Mythos 5: Krafttraining macht dich unbeweglich
Der Mythos hält viele komplett vom Freihantelbereich fern: „Wenn ich Gewichte hebe, werde ich steif.“
Stimmt nicht. In der Umfrage 2025 hat die Mehrheit korrekt erkannt, dass „Krafttraining reduziert Flexibilität“ ein Mythos ist (Unger et al., 2025). Krafttraining über den vollen Bewegungsradius — also ein Gelenk unter Last durch die komplette Bewegung zu führen — kann deine Beweglichkeit sogar verbessern.
Die Verwirrung kommt wahrscheinlich daher, dass man manchmal sehr muskulöse Leute sieht, die sich trotzdem schlecht bewegen. Das ist ein Problem vom Trainingsdesign, nicht vom Krafttraining an sich. Wenn du Muskeln über lange Zeit nur in einem verkürzten Bewegungsradius trainierst, kann Beweglichkeit verloren gehen. Aber genau das ist das Gegenteil von gutem Krafttraining.
Wenn du sauber über volle Bewegungsradien trainierst und die Abwärtsbewegung kontrollierst — die negative Phase bei der Kniebeuge, die untere Position beim Pull-up — wirst du nicht steifer. Gut möglich, dass du sogar beweglicher wirst.
Resistance training does not reduce flexibility — that is a myth confirmed by systematic review.
— Unger et al. (2025). Knowledge of gym goers on myths and truths in resistance training. Sci Rep.
Was wirklich Muskeln aufbaut — und warum es sich lohnt, das richtig zu verstehen
Wenn du die Mythen wegstreifst, bleibt es ziemlich simpel: Mechanische Spannung ist der wichtigste Treiber für Muskelaufbau (Van et al., 2025). Mechanische Spannung heißt: Deine Muskelfasern müssen unter einer Last richtig arbeiten. Genau das stößt die Signale im Muskel an, durch die er sich anpasst und wächst.
Alles andere — Pump, Hormone, Muskelkater, Schweiß — ist Beiwerk um das Wesentliche herum.
Ganz praktisch bedeutet das: Bau deinen Plan um progressive Überlastung herum. Also über die Zeit mehr Last, mehr Wiederholungen oder mehr gute Arbeitssätze — damit die Spannung auf deine Muskeln mitwächst, während du stärker wirst. Die komplette Evidenz, warum das die eine Stellschraube ist, die immer zählt, findest du hier: progressive overload training.
Das Review aus 2025 spricht auch etwas an, das ich dir unbedingt mitgeben will: Erwartungen. Es gibt eine Obergrenze, wie schnell Muskeln wachsen. Selbst unter perfekten Bedingungen ist Muskelaufbau ein Prozess über Monate und Jahre — nicht über Wochen. Programme, die dir eine krasse Transformation in 30 Tagen versprechen, verkaufen dir etwas, das dein Körper so nicht liefern kann (Van et al., 2025).
Zu wissen, was wirklich funktioniert — und den Rest zu ignorieren — ist nicht nur Theorie. Es verändert, wie du trainierst, was du trackst und ob du echte Fortschritte machst oder dich nur so fühlst.
So setzt Planfit das um
Jeder Mythos auf dieser Liste hat im Grunde die gleiche Lösung: Trainier nach dem, was laut Daten wirklich Ergebnisse bringt — mechanische Spannung, progressive Überlastung und getracktes Volumen.
Planfit gibt dir Arbeitsgewichte und Wiederholungsziele pro Satz vor, trackt deine Last über die Einheiten hinweg und schubst das Gewicht nach oben, sobald dein aktuelles Gewicht keine echte Herausforderung mehr ist. Die App loggt deine Sätze und Wiederholungen in Echtzeit — so siehst du deine Progression schwarz auf weiß, statt sie am nächsten Morgen am Muskelkater zu erraten.
Der Pump ist optional. Fortschritt nicht.
Quellen
- Unger M et al. (2025). Knowledge of gym goers on myths and truths in resistance training.. Scientific Reports. 10.1038/s41598-025-87485-8
- Van B et al. (2025). Load-induced human skeletal muscle hypertrophy: Mechanisms, myths, and misconceptions.. Journal of Sport and Health Science. 10.1016/j.jshs.2025.101104