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Übertraining-Symptome: 0 von 39 Studien fanden einen Biomarker

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Übertraining-Symptome sind real — stagnierende Lifts, schlechter Schlaf, miese Stimmung — aber kein Test bestätigt sie: 0 von 39 Studien fanden einen validierten Biomarker.

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Übertraining-Symptome: 0 von 39 Studien fanden einen Biomarker

Dein Körper ist nicht kaputt — er ist überlastet

Du trainierst seit Wochen hart. Deine Lifts gehen plötzlich runter. Du wachst müde auf, obwohl du 9 Stunden geschlafen hast. Und deine Stimmung ist im Keller — ohne dass du genau sagen kannst, warum.

Dieses Muster hat einen Namen: Overtraining Syndrome, kurz OTS (Übertrainingssyndrom). Und jetzt kommt die frustrierende Wahrheit: In der Sportwissenschaft ist das eines der schwierigsten Dinge überhaupt, sauber zu bestätigen. Eine Scoping-Review (also eine breite Bestandsaufnahme) mit 5.561 Studien fand: Kein einziger Biomarker wurde als verlässlicher Test für OTS wirklich validiert (Carrard et al., 2022).

Heißt das, das Ganze ist eingebildet? Nein. Es heißt nur: Du musst die Symptome richtig lesen — weil viele davon genauso bei ganz anderen Problemen auftauchen.

Kein einziger Biomarker wurde als verlässlicher OTS-Test validiert — über 39 passende Studien hinweg.

Carrard et al. (2022). Diagnosing Overtraining Syndrome: A Scoping Review. Sports Health.

Was Overtraining Syndrome wirklich ist (und was nicht)

OTS ist kein An/Aus-Schalter. Das läuft eher auf einer Skala. So kannst du dir die 3 Stufen vorstellen:

Functional overreaching — ein kurzer Block mit extra hartem Training, der dich erstmal schlechter macht. Gib dir ein paar Tage Pause, und du kommst stärker zurück. Das ist geplant und völlig normal.

Non-functional overreaching — die angesammelte Belastung kippt. Deine Leistung sinkt über Wochen. Erholung dauert Wochen, nicht Tage. Das ist das Warnsignal.

Overtraining syndrome — deine Leistung ist länger als 4 Wochen gedrückt, deine Stimmung hat sich verändert, und eine kurze Pause fixt es nicht. Ab hier passt das „klinische“ Label (Weakley et al., 2022).

Das Problem: Die Grenzen verschwimmen. Forscher sagen, dass unklare Begriffe und fehlendes, langfristiges Monitoring es fast unmöglich machen, OTS „live“ sauber zu untersuchen (Weakley et al., 2022). Die meisten merken erst im Nachhinein, dass sie drüber waren.

Die Symptome, auf die du achten solltest — und warum man sie so leicht falsch deutet

OTS zeigt Symptome in 2 Bereichen, die sich oft überlappen: körperlich und mental. Beides zählt. Und keins davon reicht allein, um die Diagnose sicher zu machen.

Körperliche Warnzeichen:
- Leistung fällt über mehrere Einheiten — nicht nur ein schlechter Tag, sondern ein Trend über Wochen
- Dauerhaft schwere, „bleierne“ Muskeln oder Müdigkeit, die Schlaf nicht wegkriegt
- Erhöhter Ruhepuls morgens (kein perfekter Marker, aber praktisch als grober Hinweis)
- Häufiger kleine Infekte — dein Immunsystem leidet, wenn chronische Entzündung dauerhaft läuft

Mentale Warnzeichen:
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder fehlende Motivation, die vorher nicht da waren
- Schlafprobleme trotz körperlicher Erschöpfung
- Training macht keinen Spaß mehr — was dich früher gepusht hat, fühlt sich jetzt wie Pflichtprogramm an

Warum liest man das so oft falsch? Weil es 1:1 wie „zu wenig essen“ aussehen kann. Ein Sports Medicine Review von 2021 fand, dass 86 % der Studien zu Trainingsüberlastung Anzeichen von niedriger Energieverfügbarkeit zeigten — sprich: Viele vermeintliche OTS-Fälle waren wahrscheinlich eher Athleten, die zu wenig reingeschaufelt haben, statt zu viel zu trainieren (Stellingwerff et al., 2021).

Bevor du „Übertraining“ rufst: check zuerst dein Essen.

86 % der Studien zu Trainingsüberlastung zeigten Anzeichen von niedriger Energieverfügbarkeit — der Übeltäter könnte also Unterversorgung sein, nicht das Training selbst.

Stellingwerff et al. (2021). Overtraining Syndrome and Relative Energy Deficiency in Sport. Sports Med.

Der Entzündungs-Connection: was innen drin wirklich passiert

Wenn dein Trainingsvolumen hoch bleibt, aber deine Erholung niedrig, rutscht dein Körper in eine chronische, leichte Entzündung. Stell’s dir so vor: Dein Immunsystem hängt dauerhaft im „Aufräum-Modus“ nach einem Workout, das nie komplett abgeschlossen wird.

Die Haupttreiber sind entzündungsfördernde Proteine, sogenannte Zytokine — vor allem IL-6, TNF-alpha und IL-1beta. Wenn die über Wochen erhöht bleiben, funken sie in dein zentrales Nervensystem, deine Hormone und deinen Darm rein. Genau daraus entstehen dann Stimmungseinbrüche, Müdigkeit und Leistungsabfall, wie man sie bei OTS sieht (da et al., 2019).

Wichtig für die Praxis: OTS ist nicht nur ein Muskelproblem. Das ist eine Ganzkörper-Stressreaktion. Du kannst dich da nicht „durchtrainieren“. Und du kannst dich auch nicht raus-supplementieren. Der Hebel, der wirklich funktioniert: Trainingslast runter und richtig erholen.

Ernährung ist die Stellschraube, die die meisten ignorieren

Jetzt kommt der Teil, der viele überrascht: Du kannst dir OTS-ähnliche Symptome auch „anessen“, ohne dein Trainingsvolumen überhaupt zu erhöhen.

Wenn deine Energiezufuhr sinkt — egal ob durch Diät oder einfach, weil du deinen Output unterschätzt — reagiert deine hypothalamisch-hypophysäre Achse (dein hormonelles Steuerzentrum im Gehirn) so, als wäre Gefahr im Verzug. Hormone für Stress, Fortpflanzung und Stimmung verschieben sich. Und das fühlt sich dann exakt wie OTS an (Stellingwerff et al., 2021).

Ein Narrative Review von 2023 zu Ernährung und OTS fand außerdem: Gerade die Verfügbarkeit von Kohlenhydraten ist ein entscheidender Hebel — wenig Carbs in Phasen mit hohem Volumen ist einer der schnellsten Wege in non-functional overreaching (la et al., 2023).

Wenn dein Training gleich geblieben ist, aber deine Symptome nicht: schau zuerst auf den Teller. Vielleicht trainierst du nicht zu viel — vielleicht isst du einfach zu wenig für das Training, das du schon machst. Nutze den protein calculator, um zu checken, ob deine Zufuhr wirklich zu deinem Output passt.

Warum es keinen Bluttest gibt, der es bestätigt

Das ist der Teil, der Athleten und Coaches gleichermaßen nervt: Trotz Jahrzehnten Forschung gibt es bis heute keinen einzelnen Test — Blut, Hormone oder sonst was — der OTS sicher bestätigen kann.

Carrard et al. (2022) haben über 5.500 Studien durchsucht und nur 39 gefunden, die überhaupt halbwegs an die Diagnosekriterien rankamen. Sie haben 3 Score-Systeme als die am besten strukturierten Tools identifiziert — EROS-CLINICAL, EROS-SIMPLIFIED und EROS-COMPLETE — aber keins davon ist breit genug validiert, um ein echter klinischer Standard zu sein.

Der Grund ist simpel: OTS entwickelt sich über Monate, aber viele Studien messen Athleten nur zu einem Zeitpunkt. Einen Abwärtstrend kannst du nicht diagnostizieren, wenn du nur einen Datenpunkt hast. Armstrong et al. (2021) sagen deshalb: Du musst OTS eher als „komplexes System“ verstehen — viele Faktoren greifen ineinander, nicht eine einzelne Ursache. Und vielleicht können in Zukunft Machine-Learning-Tools, die mehrere Datenströme gleichzeitig auswerten, das Ganze zuverlässiger erkennen.

Bis dahin ist die ehrlichste Antwort: OTS ist eine Ausschlussdiagnose. Du schließt Krankheit, Verletzung, schlechten Schlaf, Unterversorgung und Lebensstress aus — und wenn der Leistungsabfall trotz allem länger als 4 Wochen bleibt, ist OTS die wahrscheinlichste Arbeitshypothese.

OTS ist eine Ausschlussdiagnose — schließ zuerst alles andere aus.

Carrard et al. (2022). Diagnosing Overtraining Syndrome: A Scoping Review. Sports Health.

Was du konkret tun solltest, wenn du Übertraining vermutest

Die gute Nachricht: Was du tun musst, ist ziemlich klar — auch wenn die Diagnose es nicht ist.

Schritt 1 — Trainingslast sofort senken. Reduziere dein Volumen für mindestens 1–2 Wochen um 40–60 %. Versuch nicht, die Intensität „hochzuhalten“, während du nur Volumen streichst. Beides muss runter. Kürz zuerst die schwersten, systemisch belastenden Lifts — barbell squat und deadlift kosten pro Satz deutlich mehr Erholung als Isolationsübungen. Wenn du da Sets rausnimmst, kaufst du dir am meisten Recovery zurück.

Schritt 2 — Mach einen Ernährungs-Check. Isst du genug Kalorien insgesamt? Sind deine Kohlenhydrate hoch genug für dein Training? Niedrige Energieverfügbarkeit ist der häufigste OTS-Doppelgänger — fix das vor allem anderen (Stellingwerff et al., 2021).

Schritt 3 — Schlaf priorisieren. Im Schlaf „resetet“ sich deine hypothalamisch-hypophysäre Achse. Wenn dein Schlaf mies ist, heilt alles langsamer.

Schritt 4 — Track Stimmung und Leistung, nicht nur Gewichte. Eine simple Morgen-Stimmungsnote (1–10) zusammen mit deinem Trainingstagebuch gibt dir genau die Trend-Daten, die laut Forschung als frühes Warnsignal am meisten bringen (Weakley et al., 2022).

Schritt 5 — Wenn die Symptome trotz allem länger als 4 Wochen bleiben: ab zum Sportmediziner. OTS auf klinischem Level braucht professionelle Betreuung — nicht noch mehr Selbstexperimente.

Und ganz ehrlich: Die meisten Freizeit-Lifter, die denken, sie sind übertrainiert, sind eigentlich nur untererholt — schlechter Schlaf, zu wenig Kalorien und Trainingstag an Trainingstag ohne echten Ruhetag. Fix das zuerst. Wenn du mehr zur Recovery-Seite lesen willst: doms recovery zeigt dir, was bei Muskelkater und Erholung nach harten Einheiten wirklich hilft.

So setzt Planfit das um

Planfit trackt deine Last und dein Volumen über jede Einheit hinweg und zeigt dir pro Übung deinen Verlauf — damit eine Stagnation oder ein Rückschritt in deiner eigenen Historie sichtbar wird, statt unbemerkt zu bleiben. Außerdem empfiehlt dir die App Satzpausen passend zu deiner Trainingsintensität und behält Erholungsstatus und Volumen pro Muskelgruppe im Blick. So siehst du, wenn ein Körperteil Woche für Woche unverhältnismäßig hart rangenommen wird. Wenn die Daten zeigen, dass du nach unten trendest, merkst du es — bevor dein Körper dich dazu zwingt.

Quellen

  1. Weakley J et al. (2022). Overtraining Syndrome Symptoms and Diagnosis in Athletes: Where Is the Research? A Systematic Review.. International Journal of Sports Physiology and Performance. 10.1123/ijspp.2021-0448
  2. Stellingwerff T et al. (2021). Overtraining Syndrome (OTS) and Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S): Shared Pathways, Symptoms and Complexities.. Sports Medicine. 10.1007/s40279-021-01491-0
  3. Carrard J et al. (2022). Diagnosing Overtraining Syndrome: A Scoping Review.. Sports Health. 10.1177/19417381211044739
  4. Armstrong LE et al. (2021). Overtraining Syndrome as a Complex Systems Phenomenon.. Frontiers in Network Physiology. 10.3389/fnetp.2021.794392
  5. la Gerche A et al. (2023). The Potential Role of Nutrition in Overtraining Syndrome: A Narrative Review.. Nutrients. 10.3390/nu15234916